Bernadette

3 ½ Hyperemesis Gravidarum Schwangerschaften 2007-2013

 

Ronja Maya, 01.05.2008

 

Wir planten unser erstes Kind schon lange, allerdings liess es sich Zeit. Da ich mit der Temperatur-Methode versuchte schwanger zu werden und mir gesagt wurde, dass die Temperatur über 37°C steigen müsste, wenn ich schwanger bin, merkte ich zuerst gar nichts von meiner Schwangerschaft. Als mir dann am 17. September 2007 extrem schlecht wurde und ich überfällig war, machte ich einen Test, der positiv ausfiel. Da war ich bereits in der 7ten Woche.

 

Mir war zwar extrem schlecht, aber ich musste nicht erbrechen. Dies änderte sich in der 8ten Woche, zuerst dachte ich allerdings an eine Grippe. Nach drei Tagen erbrechen ging es mir etwas besser, allerdings schrieb mich die Frauenärztin vorsichtshalber doch noch für eine weitere Woche krank. Einige Tage später ging‘s dann mit dem Erbrechen weiter. Seit meiner Kindheit hatte ich immer bei einer Grippe schweres Erbrechen, sprich, es liess sich beinahe nicht mehr stoppen. Ich erbrach auch in der Schwangerschaft im 15min Takt vom Aufwachen bis ich abends einschlief. Nach einer Woche konnte ich nicht mehr.

 

Die Frauenärztin wies mich zur Erholung ins Krankenhaus ein. Dort erbrach ich weiter, hatte aber durch die Infusionen weniger Angst, dass das Kind beeinträchtigt wurde. Allerdings bekam ich nur Kochsalz- und Glukoselösungen, dazu Itinerol Zäpfchen. Nach 10 Tagen wollte ich unbedingt nach Hause. Das Essen im Krankenhaus war einfach eine Katastrophe und ich fühlte mich nicht wohl auf der gynäkologischen Abteilung mit älteren Frauen und ihren Blasen- oder Gebärmutterproblemen. Mit vielen kleinen Hilfsmitteln brachte ich mich soweit, dass ich nicht mehr erbrechen musste und wurde entlassen (20. Oktober).

 

Mein Mann hatte gerade Ferien (wir mussten unsere Amerika-Reise absagen, da ich im Krankenhaus lag) und wir nahmen alles ganz langsam, unternahmen nicht viel. 4 Tage zu Hause und es ging wieder los mit dem Erbrechen. Nach drei Tagen ohne Essen und mit Blut im Erbrochenen gab ich auf und ging wieder ins Krankenhaus. Dort wurden unzählige Tests gemacht um auszuschliessen, dass das Erbrechen nicht von etwas anderem als der Schwangerschaft kam. Diese Tests waren eine unglaubliche Tortur. Ultraschall von allen Organen wenn man einfach nur in Ruhe gelassen werden will, weil einem so Übel ist, dazu eine Magenspiegelung, etc... Gefunden wurde nichts, dafür bekam ich Zofran und die dringende Bitte, einen Psychiater beizuziehen, was ich aber nicht wollte.

 

Nach drei Wochen stationär durfte ich wenigstens über das Wochenende nach Hause. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt 12 kg abgenommen und sah aus wie eine Magersüchtige (46kg bei 1.70 Grösse). Wenigstens konnte ich an einigen wenigen Tagen wieder etwas essen, aber erbrechen musste ich eigentlich jeden Tag.

 

Das lange Warten auf den Abend, wenn mein Mann zu Besuch kam, war extrem anstrengend. Ich war praktisch den ganzen Tag alleine mit meinen Gedanken. Obwohl ich nie an Selbstmord dachte (so viel Aufwand…), wäre es mir absolut egal gewesen, jetzt in diesem Moment zu sterben. An eine Abtreibung habe ich aber nie gedacht.

 

Am 17. November durfte ich wieder nach Hause. Allerdings musste ich bereits an diesem Tag wieder vermehrt erbrechen, aber ich wollte meinen Geburtstag nicht im Krankenhaus feiern. Ein paar Tage später war ich wieder am Ende und ging freiwillig zurück.

Drei Wochen wieder dasselbe, Infusionen, erbrechen. Wenigstens war ich dieses Mal in der Abteilung für Wöchnerinnen, das war einiges interessanter als die Gynäkologische Abteilung.

 

Anfangs Dezember ging es mir etwas besser und ich durfte nach Hause. Das Erbrechen liess nicht auf sich warten und dieses Mal liess es sich auch durch Zofran nicht stoppen. Ich erbrach alle 10 Minuten, die Speiseröhre war völlig gereizt es kam immer wieder Blut mit. Mein Rücken tat weh vom Kauern, mein Bauch vom Würgen. Ich hatte bereits 10 Tage nichts mehr gegessen oder getrunken und lebte nur noch von Infusionen, ich dachte ich sterbe jede Minute.

 

Nachdem ich auch auf das Betteln der Ärzte hin keine Kraft mehr hatte, überhaupt noch etwas zu trinken, verordneten sie künstliche Nahrung über einen Venenkatheter.

 

Diese 10 Tage waren das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Komischerweise musste ich in der Nacht nicht erbrechen, dafür den Tag durch praktisch alle 10 Minuten. Mit der künstlichen Ernährung nahm ich erstmals wieder etwas zu und das Erbrechen stoppte endlich. Nun liess ich mich auch auf eine psychologische Betreuung ein und fing mit Hypnosetherapie an, was zu helfen schien. Ich konnte meinen Magen beruhigen und langsam ging es mir besser.

 

Vor Weihnachten wurde die künstliche Ernährung entfernt und einen Tag später fing das Erbrechen wieder an. Ich durfte trotzdem am Weihnachtstag nach Hause, musste aber alle 30 min erbrechen. Aber ich WOLLTE jetzt einfach zu Hause bleiben (21igste Woche).

Am nächsten Tag rührte mir meine Mutter Babynahrung an und ich versuchte, wenigstens Brei zu mir zu nehmen. Langsam wurde das Erbrechen weniger und ich schöpfte Hoffnung. Die Übelkeit blieb konstant bestehen, aber das Erbrechen ging zurück.

 

Nun bekam ich von der Frauenärztin die Nummer einer Ernährungsberaterin, mit welcher ich gezielt Dinge essen sollte, damit ich zunahm. Dies ging eigentlich recht gut. Ich schlief nun mindestens bis um 11 Uhr, denn am Morgen war die Übelkeit am Schlimmsten. Dann ass ich zu Mittag, und am Nachmittag immer wieder kleine Happen. Am Abend ging es mir am besten und viel wollte ich gar nicht ins Bett, weil ich wusste, dass es mir am Morgen wieder übel war.

 

Ich war ab der 9ten Schwangerschaftswoche krankgeschrieben und meine FÄ sah auch keinen Grund, mich in meinem Zustand zurück zur Arbeit zu schicken. Im März kam dann ein Email von meinem Chef, dass mein Job anderweitig vergeben worden war. Sie konnten mir schlussendlich auch keinen anderen Teilzeitjob mehr anbieten (bei 1500 Arbeitnehmern…), weshalb ich nach dem Mutterschutz auch arbeitslos sein würde (Aufhebungsvertrag, da ich sonst nach dem Mutterschutz während 3 Monaten Kündigungsfrist noch 100% hätte arbeiten müssen).

 

Erbrechen musste ich manchmal abends, manchmal morgens, aber nicht mehr regelmässig. Ab Woche 36 war klar, dass mein Baby in Beckenendlage war und ich war ziemlich sicher, dass es sich nicht mehr drehen würde. Also wurde ein Kaiserschnitt-Termin vereinbart, da ich nicht in Steisslage gebären wollte, ich war ja sowieso extrem geschwächt.

 

Meine Tochter wollte sich dann nicht an den Termin halten und ich bekam einen Tag vor dem Kaiserschnitttermin Wehen, so dass ich trotzdem noch Blasensprung und Wehen erleben durfte. Über den Kaiserschnitt war ich aber extrem froh und sobald meine Tochter hier war, war die Übelkeit verschwunden.

 

Trotzdem kämpfte ich noch einige Tage mit einem schwachen Kreislauf, mir wurde oft schwarz vor Augen und ich fühlte mich schwach. Ob das die Nachwehen des Kaiserschnitts oder von HG waren, kann ich allerdings nicht sagen.

 

 

Alexia Isabella, 21.10.2010

 

Trotz meiner Erfahrungen in der ersten Schwangerschaft wusste ich, dass ich noch ein Kind wollte. Als unser Hausbau im Schlussspurt stand, begannen wir zu üben. Eingeschlagen hat es dann in der letzten Nacht vor dem Umzug in unser neues Heim. Gemerkt habe ich es erst zwei Wochen später. In der 6ten Schwangerschaftswoche ging es los. Obwohl ich wusste, was auf mich zukam, war es wieder genauso schlimm und die Angst vor einem erneuten 10-tägigen Brechmarathon war riesig. Dieses Mal wusste ich allerdings, wann es Zeit war, ins Krankenhaus zu gehen. Zuerst hielt ich mich wieder mit Itinerol und Primperan auf, obwohl das gar nichts brachte. Die meiste Zeit war ich jetzt mit meiner Tochter bei meiner Mutter, da ich keine Kraft hatte, alleine auf sie Acht zu geben.

 

Bald ging es nicht mehr und nach 5 Tagen Durcherbrechen inkl. Nachts ging ich ins Krankenhaus. Oder besser gesagt, trug mich mein Mann ins Krankenhaus, da ich nicht mehr gehen konnte. Mein Kreislauf war bereits so geschwächt, dass mir im Stehen sofort schwarz vor Augen wurde.

Im Krankenhaus bekam ich wieder Chlorazin intravenös. Die Zeit ohne meine Tochter war sehr, sehr schwer und nach einer Woche entliess ich mich selbst. Einerseits ging es mir besser, andererseits fühlte ich mich nicht ernst genommen. Jeder Arzt erzählte mir, dass es mit 12, dann 16, dann 20 Wochen sicher besser werden würde.

 

Leider hielt es zu Hause nur 3 Tage an und schon ging es mir wieder schlechter. Also zurück ins Krankenhaus, wieder Zofran einmalig intravenös, dann Chlorazin. Die Ärzte schlugen mir wieder den Psychologen vor, doch ich hatte die Krankenkasse gewechselt und die neue zahlte nicht für einen separaten Arzt, während ich bereits im Spital lag. Also blieb ich bei der Infusions-Therapie und hoffte auf ein Wunder. Seit Beginn der Kotzerei hatte ich bereits wieder 9kg abgenommen.

 

Meine Tochter nahm es ganz schwer. Sie war von Anfang an sehr Mami bezogen und weinte fast bis zum Erbrechen, wenn sie wieder nach Hause musste ohne mich. Das brach mir jedes Mal fast das Herz und ich weinte mich in den Schlaf.

 

Sogar am Geburtstag meines Mannes am 30.04. und meiner Tochter am 01.05. war ich im Krankenhaus, durfte aber am 01.05. auf Besuch nach Hause. Die Infusion hatten sie nur abgehängt. Leider lief diese nicht mehr an, als ich zurückkam, trotz Spülung (was so schmerzvoll war, dass es die Übelkeit gleich wieder zurückbrachte). Das Stechen der Infusion war sowieso immer Horror. Meistens trauten sich die Schwestern nicht mehr, also musste jemand von der Anästhesie, dem Notfall oder ein Rettungssanitäter her, weil diese erwiesenermassen einfacher Venen finden. Meine Infusionen liefen auch alle 2-3 Tage para, was erneutes Stechen mit sich brachte.

 

Den ganzen Mai verbrachte ich so mehr oder weniger im Krankenhaus oder bei meiner Mutter zu Hause und sah meinen Mann nur abends kurz, wenn er auf Besuch kam. Es war für uns alle eine sehr einsame Zeit. Insgesamt war ich 6 Wochen im Krankenhaus. Beim letzten Aufenthalt gaben sie mir dann erstmals Chlorazin-Tropfen mit nach Hause, da die Chlorazin Subs nur in Kinderdosis erhältlich waren und auch nicht mehr hergestellt wurden. Ihnen war erst nach 6 Wochen im Krankenhaus in den Sinn gekommen, dass es Chlorazin auch in Tropfen/Sub Form für zu Hause gibt. Leider wurde ca. 2 Wochen vorher die Produktion eingestellt. Also musste die Apotheke zur Rose das Chlorazin auf Bestellung in Tropfen-Form herstellen. Damit ging es relativ gut und das Erbrechen ging langsam auf 5-10x täglich zurück, im Vergleich zu 50x täglich vorher.

 

Dieses Mal war es mir leider auch in der Nacht immer übel, weshalb auch der Schlaf keine Linderung mehr brachte und ich teils Nächte ohne Unterbrechung durchkotzte. Das zerrte gewaltig an den Reserven und den Nerven.

 

Mitte Juni kam ich in die 22te Schwangerschaftswoche und wie in der ersten Schwangerschaft, reduzierte sich das Erbrechen auf 10-15x wöchentlich. Die Übelkeit blieb und war immer morgens am schlimmsten, aber ich konnte den Tag durch wieder einigermassen funktionieren.

 

Die Übelkeit begleitete mich wieder bis zur Geburt. Aber bereits zwei Stunden danach hatte ich wieder Appetit oder konnte alles ohne Probleme essen. Die Wehen gingen nachts um 2.00 Uhr los. Um 06.00 waren wir im Krankenhaus. Meine Beleghebamme schlug die Wanne vor. Zuerst fühlte sich das super an, aber bereits bei der dritten Wehe kam die Übelkeit zurück und ich erbrach mehrmals. Da dies in der Wanne sehr umständlich ist, stieg ich wieder raus. Ich erbrach noch 4-5x, aber erst nach der PDA wurde die Übelkeit besser. Um 11.40 wurde Alexia mit 3320g und 52cm geboren.

 

Bereits ein paar Tage nach Geburt von Alexia war mir aber klar, dass ich noch ein weiteres Kind wollte. Ich weiss heute noch nicht, woher dieser Drang kam, nur Tage nach dem ich noch stündlich mit der Übelkeit gekämpft hatte.

 

Ich konnte aber mit niemandem über diesen Wunsch reden, denn alle, welche mir zur Geburt von Alexia gratulierten, verbanden es mit „das ist bestimmt das letzte Kinde nach dieser schlimmen Schwangerschaft!“ Wie konnte ich auch nur im Traum daran denken, das nochmals durchmachen zu wollen?

 

Ich war auch während dieser Schwangerschaft 7 Monate krankgeschrieben, schlussendlich fiel ich insgesamt 1 Jahr aus, 1 Jahr nachdem ich von meinem Arbeitgeber eingestellt worden war. Trotz allem war mein Chef immer sehr verständnisvoll und ich konnte nach dem Mutterschaftsurlaub zu 50% (auf meinen Wunsch, vorher 60%) in einem anderen Team weiterarbeiten.

 

 

Windei, 25.03.2012

 

Meine Schwiegermutter hat 4 Kinder bekommen. Mein Mann ist der Älteste und sie hatte HG bei ihm sehr schlimm, war auch im Krankenhaus, was im Jahre 1983 noch sehr aussergewöhnlich war. Sie wurde dann zweimal innert 4 Monaten nach Geburt wieder schwanger. Das vierte kam dann etwas später, mit 3 Jahren Abstand dazwischen und HG war schlimmer als bei den mittleren Schwangerschaften.

 

Unser Gedanke war deshalb, dass bei einer schnelleren Schwangerschaft die Hormone vielleicht noch vorhanden sind und HG deshalb weniger schlimm ausbricht.

 

Wir haben deshalb bereits ein Jahr nach Alexia’s Geburt wieder mit üben begonnen. Wiederum im Januar konnte ich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten.

 

Die Übelkeit stellte sich in Woche 6 ein, allerdings gut auszuhalten mit Motilium. Den ersten Termin bei der FÄ hatte ich erst in der 9ten Woche. Wir freuten uns sehr, aber ich hatte ein schlechtes Gefühl. Es fühlte sich anders an. Ich kam mit Motilium über die Runden mit max. 2x erbrechen pro Tag.

Am 22.03.2012 hatten wir den ersten FÄ Termin. Wir hatten die Kinder dabei. Meine FÄ (wie alle anderen, welchen ich meine Ängste mitteilte) meinte, dass keine Übelkeit kein schlechtes Zeichen sein musste, vielleicht hatte ich dieses Mal wirklich nur Glück.

 

Beim Ultraschall war aber schnell klar, dass mein Gefühl mich nicht betrogen hatte. Es war ein Windei. Bei der Zellteilung ganz am Anfang muss etwas schief gegangen sein. Trotzdem ist alles weitergewachsen und auch die HcG Level waren sehr hoch. Am Vaginalultraschallstab war aber bereits Blut zu sehen, der Körper hatte schon reagiert.

 

Ich entschied mich für einen natürlichen Abgang. Ich bekam Tabletten, um den Abgang auszulösen, falls es nicht von selbst vorwärts gehen sollte. Ich war am Boden zerstört. Alle Pläne, Träume, etc. für dieses neue Leben waren einfach auf einen Schlag weg.

 

Bereits zwei Tage später (Gottseidank ein Sonntag) ging es los und ich hatte tatsächlich stundenlang starke, schmerzhafte Wehen. Einen Tag später ging das Windei dann ab.

 

Wir standen vor der Entscheidung: lassen wir es bei zwei Kindern oder versuchen wir es nochmals? Für mich war nach der Fehlgeburt ganz klar, dass ich so nicht abschliessen konnte.

 

 

Maeva Fiona, 11.06.2013

 

Da meine HCG Level nach der Fehlgeburt lange nicht runtergingen, musste ich wöchentlich zum Blutuntersuch zur FÄ. Auch die Übelkeit war nach dem Abgang nicht weg, sondern erst 2-3 Monate später, als sich die HcG Werte normalisiert hatten.

 

Im Juni begannen wir wieder zu üben und im September durften wir wiederum einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten. Diesmal war ich vorbereitet, dachte ich. Ich wusste, dass ich von Anfang an Chlorazin Tropfen zusammen mit Zofran Tabletten nehmen wollte.

 

In der 7ten Schwangerschaftswoche war mir wieder so schlecht (trotz Chlorazin), dass ich das erste Mal zu Hause bleiben musste. Die Woche darauf konnte ich meinen Chef informieren, zwei Tage später war ich bereits das erste Mal im Krankenhaus, nachdem ich 24h durchgekotzt hatte und bereits Blut kam.

 

Mit Chlorazin intravenös ging es mir schnell besser. Als der Chefarzt zur Visite vorbei kam, verlangte ich für die Zeit zu Hause Zofran Tabletten. Er schüttelte nur den Kopf und meinte: „Nein nein, das können wir Ihnen nicht geben, das gibt böse Verstopfungen“. Das konnte ernsthaft nur ein Mann sagen, welcher noch nie 7 Monate Grippe durchgemacht hatte!

 

Also habe ich meine FÄ angerufen und ihr gesagt, ich möchte Zofran. Sie hat mir sofort ein Rezept ausgestellt, welches ich bei der Entlassung abholen konnte. Zofran gibt es zu meinem Glück auch als lösliche Lutschtabletten. Diese waren morgens einiges einfacher zu nehmen, als Tabletten mit Wasser, was meistens sowieso wieder rauskam.

 

Mit diesen zwei Medikamenten konnte ich 4 Wochen zu Hause bleiben. Mir war schrecklich übel und ich musste teilweise 3-4x pro Tag erbrechen, was aber in keinem Verhältnis stand zu den anderen Schwangerschaften.

 

Anfang Dezember wurde es dann aber wieder schlimmer und ich musste ins Krankenhaus. Chlorazin intravenös schlug sofort an. Normalerweise war ich immer 10 Tage dort. In dieser Zeit wurde die Höchstdosis Chlorazin tageweise reduziert. Diese Mal war eine andere Ärztin, welche fand, ich sehe wieder viel besser aus, sie werde mich entlassen. Also gingen wir von ca. ½ Tagesdosis Chlorazin auf 0. Ich konnte nach Hause. Bereits am Abend fing das Erbrechen wieder an und am nächsten Tag war ich bereits zurück im Krankenhaus.

 

Eine Woche vor Weihnachten war ich dann wieder zu Hause und konnte wenigstens mit meiner Familie Weihnachten feiern. Die Übelkeit war ganz schlimm und erbrechen musste ich mehrmals am Tag. Kurz vor Silvester erbrach ich wieder 24h durch die Nacht, also zurück ins Krankenhaus. Silvester/Neu Jahr war sehr einsam. Wir waren zwar ein 3-er Zimmer, aber ich war die einzige, welche nicht Probleme mit dem Baby hatte, sondern eigentlich nur mit mir, weshalb ich einfach nicht ganz dazu passte.

 

Nach 10 Tagen konnte ich wieder nach Hause und ich war fest entschlossen, jetzt auch zuhause zu bleiben.

 

Die Zeit war hart. Mir war am Morgen so übel, trotzdem musste ich aufstehen und den grossen zwei schauen. Meistens lag ich einfach nur auf dem Sofa, halbtot, und stand einfach auf, wenn ich essen machen oder trinken geben musste. Das gute beim dritten war ganz klar, dass sich die grossen zwei selber beschäftigen konnten. Sie spielten eigentlich den ganzen Tag zusammen. Erstaunlicherweise auch ohne grosse zu streiten. Klar machten sie ab und zu Seich, aber ich war wirklich froh, dass sie alles so unkompliziert nahmen.

 

Meine Schwiegermutter kam an teils Tagen am Mittag und holte die Mädchen ab, damit ich am Nachmittag etwas Ruhe hatte und schlafen konnte.

Ab Woche 22, wie bei den anderen zwei Schwangerschaften, ging das Erbrechen zurück und nur die Übelkeit blieb.

 

Um Woche 28 hatte ich mich soweit erholt von den Brechattacken und ich ging jeweils einen halben Tag die Woche zurück zur Arbeit. Ich war zwar immer noch zu 100% krankgeschrieben, aber bei der Arbeit konnte ich mich etwas ablenken.

 

Um die Woche 35 begannen immer nachts die Wehen. 2-3h lang jede Nacht hatte ich Wehen im 5-10 Minuten Takt, dann war der Spuk wieder vorbei. Dadurch war ich aber am Morgen todmüde, was auch die Übelkeit wieder verstärkte. Arbeiten ging ich nicht mehr. Die Zeit mit den Kindern war immer noch anstrengend, jetzt aber vor allem wegen der Unbeweglichkeit. Das Zofran hatte ich Anfang 32igste Woche abgesetzt und nahm nur noch die Chlorazin Tropfen.

 

Um die 38igste Woche war ich völlig erschöpft von den nächtlichen Wehen, der Übelkeit und zu den Mädchen schauen. Deshalb hat meine Beleghebamme diverse Kleinigkeiten vorgeschlagen, um die Geburt in Schwung zu bringen. Sie gab mir Öl zum auf den Bauch schmieren. Wir machten eine Eipollösung und Muttermundmassage. Eine Woche vor Termin nahm ich einen Wehencocktail zu mir. Der Sekte machte mich so müde, dass ich auf dem Sofa einschlief. Zwei Stunden später erwachte ich und kotzte den ganzen Cocktail wieder aus. Geholfen hat alles nicht.

 

Meine Beleghebamme konnte es beinahe nicht glauben. Mein Muttermund war bereits 2-3cm geöffnet und sie konnte den Kopf spüren, sprich das Baby war bereits ganz unten. Und trotz der Wehen in der Nacht ging es einfach nicht los. Da meine Beleghebamme Ferien geplant hatte, entschieden wir für den letzten Tag, an welchem sie hier war, eine intravenöse Einleitung zu versuchen.

 

Ich bekam den Tropf um 9.15 angehängt. Um 11.00 kamen die ersten schmerzhaften Wehen, um 11.20 ging die Fruchtblase ab. Ich stieg dann in die Wanne, dieses Mal erstaunlicherweise ohne Erbrechen. Um 12.40 gingen die Presswehen los und um 12.52 war Maeva Fiona geboren, mit 50cm und 4040g! Ich hätte nie geglaubt mit meiner Gewichtszunahme (7kg über Vor-Schwangerschaftsgewicht) solch ein grosses Baby zu gebären.

Die Übelkeit war sofort weg und ich hatte einen riesigen Appetit. 

 

Damit wäre eigentlich meine HG Geschichte abgeschlossen. Trotzdem begleitet mich HG durch jeden Tag. Einerseits erinnern einem die Kinder daran. Dann sind da aber z.B. gewisse Gerichte, gewisse Plätze im Haus, Töne, Fernsehsendungen, Lieder, etc. welche alle eine Verbindung zu HG haben und einem das Ganze wieder in Erinnerung rufen.

 

Auch bin ich in einigen Facebook Gruppen und versuche mit meinen Erfahrungen anderen Schwangeren HG etwas erträglicher zu machen.

 

Laut Forschern ist HG vererbbar. Meine Mutter hatte es allerdings nicht. Meine Schwiegermutter schon, meine Schwägerin jetzt aber nicht. Das gibt mir Hoffnung für meine drei Mädchen. Falls sie es aber trotzdem auch durchleben müssen, weiss ich wenigstens, wie ich helfen kann und wie es sich anfühlt. Dieses Verständnis kommt wenigen HG-Schwangeren jemals zu.

 

Daher bin ich sicher, dass mich HG für den Rest meines Lebens begleiten wird.